Piercing
Eine Fourchette oder ein Ampallang sieht ja nicht gleich jeder. Das ist auch ganz ok so, denn sensible Gemüter würden vielleicht schaudern. Oder auch „Aua“ schreien. Die Fourchette ist ein Intim-Piercing der Frau, während ein Ampallang beim Mann horizontal durch die Eichel gebohrt wird (pierce = bohren).
Überhaupt gilt so manches Piercing heute noch als krass, aber an Ohrringe haben wir uns ja auch gewöhnt – irgendwann sogar bei Männern. Das Ohr ist immer noch das häufigste Ziel einer Piercing-Attacke. Am auffälligsten ist sicher ein gedehntes Piercing am Ohrläppchen. Dabei wird mit einem konischen Stößel das Loch stetig erweitert, wobei Gleitgel vonnöten ist. Immer größer kann dann zum Beispiel der Ring sein, der anschließend wie eine Felge im Reifen innerhalb des Ohrläppchens prangt. Durchmesser: Bis zu mehreren Zentimetern.
Meist bestimmt die Form des Trend-Accessoires wo und wie es appliziert wird. Einfache Ringe in verschiedenen Größen passen gut an und in die Ohrmuschel. Über klangvolle Begriffe wie Helix (obere Ohrmuschel) und Tragus oder Antitragus (Knorpelfortsätze) lässt sich auch gut fachsimpeln. Plugs sind wie kleine Zylinder, die schon etwas Dehnung erfordern. Oberflächen-Piercings brauchen zwei Löcher in der Haut. So ein „Surface Bar“ schaut mit seinen 2 Köpfchen aus der Haut heraus. Das erzeugt Spannung im Gewebe und führt leider am häufigsten zu Komplikationen wie Entzündungen. Ein Straight Barbell sieht wie eine kleine Hantel aus. Es eignet sich als Zungen- und Brustwarzen-Piercing. Die Varianten „Curved“ oder „Circular“ sind mehr oder weniger gebogen.
Auch das Material des extravaganten Körperschmucks ist formenreich. Chirurgenstahl ist das gängigste, Gold steht sicher nicht jedem. Titan erscheint in schicken Farben von grün bis violett. Auch mattschwarz macht sich gut. Daneben kann auch mal ein Piercing aus Horn oder Kunststoff gewählt werden.
Piercen ist, abgesehen vom simplen Ohrlochschießen mit der Pistole, immer eine kleine Operation. Hygienische Bedingungen sollten eingehalten werden. Wer piercen darf, ist in Deutschland nicht genau geregelt. Einem kuriosen Gerichtsurteil zufolge muss ein Piercer mindestens Heilpraktiker sein, wenn er eine örtliche Betäubung (Spray) vornimmt. Minderjährige, die sich ein Piercing machen lassen wollen, brauchen eine Einverständniserklärung der Eltern. Ein gewisses Risiko besteht natürlich beim Piercing auch. Relativ selten allerdings treten schwere Entzündungen auf. Knorpelgewebe kann die schmucken Teile auch abstoßen, dann bleiben eben Narben zurück. Am höchsten sind die Risiken insgesamt bei Piercings im Mundbereich, bei Intim-Piercings, sowie Oberflächen-Piercings.